Einsatz SS-Kav.Brig. im Winter 1941/42

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  • Einsatz SS-Kav.Brig. im Winter 1941/42

    Quelle: NARA
    Abschrift & Bearbeitung UHF51, 2018-05-10

    K O P I E R E N
    V E R B O T E N

    Bericht über den Einsatz der SS-Kav.Brigade im Winter 1941/42


    Auf Befehl des Kommandeurs der SS-Kav.Brigade wurde der Unterzeichnete SS-Sturmbannführer L o m b a r d
    zum Chef des Stabes, Kommandoamt der Waffen-SS, nach Berlin geschickt, um Vortrag zu halten über den bisherigen
    Einsatz der Brigade und gleichzeitig die aus dem Einsatz sich ergebenden Fragen des Einsatzes und besonders die für
    das Wiederaufsitzen der jetzt abgesessenen Brigade notwendige Wiederbeschaffung der unter Feindeinwirkung
    verlorengegangene Beritte und Ausrüstung zu erörtern.
    Im Zuge der Erörterungen wurden von SS-Gruppenführer Krüger
    befohlen, den Tätigkeitsbericht schriftlich nachzureichen.

    1.) Die SS-Kav.Brigadeerhielt am 16.12.1941 den Vorausbefehl, in Abänderung bisheriger Dispositionen geschlossen
    im Raume Toropez Sicherungsaufgaben zu übernehmen. SS-Standartenführer Fegelein wurde in Smolensk angewiesen, dass
    die Radf.Aufkl.Abt. und SS-Kav.Rgt. 1 Abschnitte der nahe vor der Fertigstellung befindlichen Bahn Welikije Luki – Rshew
    und SS-Kav.Rgt. 2 die Bahnlinie Toropez – Dubno zu sichern haben. Gleichzeitig erfolgte Befehl, aktiv durch Aufklärung
    und Angriff die seit November 1941 besonders wieder in Erscheinung getretenen Partisanentruppen in diesem Raume zu
    stellen und zu vernichten. Für die Durchführung dieses Befehls notwendige Massnahmen wurden sofort ergriffen, die
    Umgruppierung war am 24.12.1941 vollzogen.

    Die Aufklärung besonders der schon länger im Raume Jetkino liegenden RAA. und der am 23.12.1941 in Basary durch das
    SS-Kav.Rgt. 1 abgelöste 3./SS-Kav.Rgt. 2 hatte ergeben, dass in dem grossen Waldgebiet im Raume Basary – Jetkino Partisanen,
    wahrscheinlich in Stärke von zwei Regimentern, standen, ferner, dass diese Partisanen hauptsächlich aus vollwertigen Truppen
    zusammengesetzt waren und schliesslich mit der russischen Front, erwiesenermassen zum Teil durch Flugzeuge in Verbindung
    standen. In einer Reihe von Kämpfen wurde die Feststellung gemacht, dass die Partisanen in vielen, im Waldgebiet verstreut
    eingerichteten Barackenlagern, sowie Bunkeranlagen, z.T. mit eingebauten Stallungen für Pferde, untergebracht waren.
    Vorräte an Winterbekleidung, Verpflegung usw. brachten den Beweis, dass es sich hier um eine zielbewusste Durchführung
    eines operativen Gedankens des Partisanen-Generalstabes handelte. Gefangene, die vom SS-Kav.Rgt. 1 eingebracht wurden,
    sagten aus, dass es nicht ihr Auftrag sei, partisanenartige Überfälle und Störungsversuche zu machen, sondern "auf den Tag der
    Befreiung des Territoriums, nämlich den Anschluss mit der nach dort vorrückenden Masse der russischen Armee zu warten!"

    Der Ablauf der späteren Ereignisse bestätigt die Richtigkeit dieser Aufklärungsergebnisse der SS-Kav.Brigade allein schon durch
    ein Beispiel: Die lebenswichtige Wegegabel 8 km südlich Toropez – Wel.Luki und Toropez – Basary war bereits 4 – 5 Tage
    feindbesetzt, ehe der russische Angriff auf Toropez aus allgemein nördlicher Richtung erfolgte.

    Am 27. oder 28.12.1941 wurde die Brigade dem A.O.K. 9 unterstellt und erhielt Befehl, sich nach beschleunigter Durchführung
    der Winterbeweglichkeit im Raume südwestlich Wolga-See zu versammeln. Hierzu wurde die RAA. sofort aus dem Raume
    Jetkino zur Meldung bei der 253. I.D. in Szjelisharowo in Marsch gesetzt, Teile des SS-Kav.Rgt. 2 wurden über Dubno hinaus
    nach Lugi vorgeworfen. SS-Kav.Rgt. 1 konnte mit der Masse am 3.1.1942, mit der letzten Schwadron erst am 5.1.1942 den
    Marsch antreten, weil die Ablösung für die Sicherung der durch die Partisanentruppen besonders gefährdeten Kunstbauten an der
    Bahnstrecke vorher eintreffen musste. Die Sicherung wurde durch Landesschützen übernommen, deren Kräfte zumindest nicht
    ausreichen konnten, um den Schutz der Bahnlinie durch Aufklärung und Angriff wirksam zu gestalten. Die zur Verfügung
    stehenden Kräfte konnten nur für Bewachungsaufgaben ausreichen. Der Brigade wurde zugewiesen, die bisherigen Unterkunftorte
    als Stützpunkte beizubehalten. Die Maßnahme, die genannten Orte als Stützpunkte für die Brigadeeinheiten zu behalten,
    diente nicht allein dem Zweck, durch die Pferdepfleger und die Männer der Trosse die Bewachung der Ortschaften und des dort
    befindlichen Gefangenenlagers mit etwa 500 Gefangenen zu gewährleisten, ohne die ohnehin nicht ausreichenden Einheiten
    der Landesschützen in Anspruch zu nehmen, sondern besonders auch aus dem Grunde, weil der Verpflegungsnachschub für
    Pferde bereits im bisherigen Raume grösste Schwierigkeiten bereitet hatte. Die Brigade konnte damals schon erkennen, dass die
    Heeresgruppe mit starken Durchbruchsversuchen der Russen aus allgemeiner Richtung Osztaschkow rechnete, sodass die
    eingleisige Bahn Wel.Luki – Toropez – Dubno für Truppen-, Munitions- und Verpflegungstransporte möglichst frei gehalten
    werden musste. Hinzu kam die Ortskenntnis des SS-Kav.Rgt. 1, das bereits Ende Oktober 1941 der 253. I.D. unterstellt gewesen
    war. Das Regiment wusste, das der Raum südlich vom Wolga-See durch das monatelange Anhalten des äußeren linken Flügels
    der Heeresgruppe Mitte "aufgefressen" war.
    Ferner war von ausschlaggebender Bedeutung für das nunmehr Absitzen der beiden
    Kav.Regimenter die Kenntnis, dass die Brigade
    a) für die Verstärkung der Winter-Verteidigungslinie und
    b) vermutlich nur für die Dauer bis zur Behebung der angespannten Lage eingesetzt werden sollte.

    Das Absitzen erfolgte 1 Mann: 6 Pferde. Zum Einsatz wurden nur die Gefechtsteile in Marsch gesetzt.
    Da der spätere tatsächliche Einsatz der beiden Kav.Regimenter an anderer Stelle erfolgte, der Einsatz der Radf.Aufkl.Abt. aber
    in Durchführung des ursprünglichen Befehls war, wird unabhängig von der chronologischen Entwicklung der Einsatz dieser
    Abteilung zuerst festgehalten.

    (...)
    Fortsetzung folgt,
    __________
    MfG Uwe
  • 2.) Radf.Aufkl.Abt.erhielt nach Meldung bei der 253. I.D. den Befehl, nach Pjeno weiterzumarschieren und sich dort zur
    Verteidigung einzurichten. Feindlage, dass "in Osztaschkow Versammlung starker russischer Kräfte, deren Absicht es sein kann,
    einen Stoss gegen Szjelisharowo – die offene linke Flanke – zu führen oder über Pjeno einen Keil in die zwischen den
    Heeresgruppen Mitte und Nord bestehende Lücke zu treiben.
    Die Aufklärung der RAA. ergab, dass der Feind im Raume Pokrowskoje, 25 km südwestlich Osztaschkow, Feldstellungen
    bezogen hatte. Rechter und linker Nachbar waren 12 km entfernt. Der Division wurde wiederholt gemeldet, dass angesichts des
    Fehlens an schweren Waffen bei der RAA. einerseits und der immer stärker erkennbaren Feindkräfte andererseits die Lage im
    Raume Pjeno als gefährlich anzusehen sei. Am 3.1.1942 wurde bei einem der RAA. in die Hände gelaufenen Meldegänger ein
    russisches Schreiben an einen Partisanenstab hinter der deutschen Front vorgefunden.
    Darin kam zum Ausdruck, "dass man sich in 10 Tagen in Pjeno wiedersehen werde."

    Die Inanspruchnahme der Truppe war ausserordentlich, nicht nur durch die dauernde Spähtrupptätigkeit und den Ausbau der
    Verteidigungslinie, sondern auch durch die notwendigen Abstellungen für das Heranschaffen der Munition und Verpflegung aus
    Dubno und ebenfalls für den Abtransport der Verwundeten nach Dubrowski. Zivilbevölkerung konnte kaum herangezogen
    werden, denn, wie überall in den Gebieten, in denen Einheiten der Brigade auf durchgebrochene Russenkräfte gestossen sind,
    wurde festgestellt, dass schon vor dem Einbruch der Russen die arbeitsfähige Bevölkerung verschwunden war.
    An dieser Stelle muss auf eine Erfahrung nachdrücklich hingewiesen werden, die die Brigade während des gesamten Einsatzes
    gemacht hat. Anstatt mit Nachschub an Munition und Verpflegung durch die vorgesetzte Einheit versorgt zu werden, waren
    sämtliche Einheiten der Brigade fast ausnahmslos auf ihre ursprünglichen eigenen Nachschubstellen angewiesen.
    Die sich aus den verschiedensten Unterstellungsverhältnissen der einzelnen Brigadeteile ergebene Zersplitterung machte daher
    die Versorgungsfrage schon aus Transportgründen zu einer besonders schwierigen.

    Ab 9.1.1942 griff der Russe an. Der Angriff erbrachte in seinem Verlauf entgegen der Vermutung der Division den Beweis, dass
    der Russe nicht Szjelisharowo angreifen, sondern über Pjeno durchstossen wollte. Um 20.00 Uhr gelingt es dem Feind, unter
    Heranführung immer neuer Reserven, in den Nordteil des Ortes einzudringen. SS-Ostuf. Koppenwallner greift, nach einem Sieg
    Heil auf den Führer, an der Spitze einer zusammengerafften, weit unterlegenen Truppe den Feind an. Nach einem einstündigen
    Kampf weicht der Gegner. Um 21.15 Uhr ist die Einbruchstelle wieder in der Hand der RAA. - SS-Ostuf. Koppenwallner fiel
    hierbei. Alle anderen Offiziere wurden schwer verwundet. Der Divisionskommandeur sprach fernmündlich dem Kommandeur
    der RAA. seine Anerkennung zu dem Abwehrkampf gegen die vielfache feindliche Übermacht aus.
    Bei jeder sich bietenden Gelegenheit wurde die Division auf die hohen eigenen Verluste und die dringende Notwendigkeit auf
    Verstärkung und Munition hingewiesen. Die Division versprach zu tun, was in ihrer Kraft stünde, aber, wie es sich später ergibt,
    ist sie selbst hierzu nicht in der Lage gewesen.

    Am 10.1.1942 wurde nach weiterer Verstärkung des Feinddruckes vor Pjeno mit Genehmigung der Division die Abwehrlinie in
    den Südteil des Dorfes zurückgenommen. Nach 20-stündigem Kampf, Einfrieren fast sämtlichen und schweren Waffen, ununter-
    brochenem Zerstörungsfeuer durch schwere Granatwerfer und 7,5 cm Geschütze, verbunden mit Munitionsknappheit, wurde die
    Lage der RAA. von Stunde zu Stunde unhaltbarer. Die Gefechtsaufklärung ergab, dass der Feind Pjeno auch von Süden umgeht
    und so die RAA. umzingelt. Infolgedessen befahl der Kdr. unter Zurücklassung der Trosse den Ausbruchsversuch, der in süd-
    westlicher Richtung gelang. Nach vielstündigem Marsch unter ungeheuren Geländeschwierigkeiten wurde Orlino erreicht.
    Am 11.1.1942 traf die RAA. in Lugi ein und wurde dort dem Inf.Rgt. 189 unterstellt. Der Kdr. diese Regimentes erkannte, dass
    der Rest der RAA. nicht mehr einsatzfähig war und befahl Ortsunterkunft im Raume Dubno.
    Am 14.1.1942 war der Feind nachgestoßen und besetzte Lugi. Ein Btl. des Inf.Rgt. 189 wurde hierbei aufgerieben. Für Dubno
    wird höchste Alarmbereitschaft befohlen und die RAA. musste, ehe sie in den Besitz des Ersatzes der ausgefallenen Waffen
    gelangte, in das Verteidigungssystem eingebaut werden. Sie bezog am Mittag des 15.1.1942 Rochowo, nachdem der Feind um
    4.30 Uhr mit dem Angriff auf Dubno begonnen hatte. Mit dem Inf.Rgt. 189 ist jede Verbindung verloren. Nachdem der Befehl
    zur Aufgabe von Dubno ergangen war, zog sich die RAA. als letzte vom Feind lösende Truppe kämpfend zur Bahnlinie zurück.
    Sie hatte erreicht, dass der durch Panzer unterstützte Angriff der Russen auf Dubno für 7 Stunden zum Stehen gebracht war,
    obwohl ohne schwere Waffen und schließlich trotz Ausfalls aller Maschinengewehre.
    Nach 16-stündigem Fußmarsch wurde am 17.1.1942 früh Toropez erreicht.

    Der Verlust der RAA. bei Pjeno einschliesslich Rückmarsch betrug 6 Führer, 24 Unterführer und 187 Männer an Toten,
    Verwundeten und Vermissten, der sich um 3 Führer und 41 Männer bei der Verteidigung von Dubno erhöhte. Die Iststärke war
    nunmehr noch 2 Führer, 31 Unterführer und 124 Mannschaften.
    Erneuter Einsatz der RAA. musste bereits am 19.1.1942 in dem von den Russen mit Panzern und starken Kräften angegriffenen
    Toropez erfolgen, nachdem dortige zwei Kompanien Landesschützen in kürzester Zeit bereits schwerste Verluste erlitten hatten.
    Einsatz der drei vorhandenen Pak-Geschütze der Landesschütze bei guter Trefferlage ohne jegliche Wirkung. Zwei Paks wurden
    vernichtet. Trotz schwerster Verluste konnten die unaufhörlichen Angriffe bis 20.1.1942, 2.00 Uhr, abgewiesen werden. Zwei zur
    Verstärkung eingetroffene Infanteriezüge des Wach-Btl. 705 schafften zwar vorübergehend Erleichterung, die hohen Verluste
    (60 – 70%) und erneuter Einsatz von sechs weiteren russischen Panzern machten um 17.00 Uhr den Befehl erforderlich, den Rest
    der RAA. entlang der Bahnlinie nach Wel.Luki zurückzunehmen. Ausfälle hierbei: 9 Tote, 17 Vermisste, 22 Verwundete, dazu
    zahlreiche Erfrierungen, die bis zum Eintreffen in Wel.Luki auf 91 anstiegen.
    Der später in Wel.Luki nach Witebsk verladene Rest der RAA. zählte nur noch 11 Köpfe.

    3.) Anschliessend über die Berichterstattung über den Einsatz der RAA. ist zu melden, dass die im Raume Toropez abgestellten
    Pferde des Brigadestabes, des SS-Kav.Rgt. 2, der 5. Schwadron und K.K./SS-Kav.Rgt. 1, sowie die Pferde der beiden Batterien
    teils durch Ausnutzung von leeren Waggons, teils auf dem Landweg rechtzeitig nach Wel.Luki gebracht werden konnten.
    Der grösste Teil der Ausrüstung jedoch, sowie sämtliche Fahrzeuge mot. und bespannt sind in die Hände der Russen gefallen,
    nachdem sie rechtzeitig vernichtet werden konnten. Der grösste Teil der Waffenkammern, des Mannschaftsgepäcks usw. konnten
    zwar durch vorbildliche Einsatzbereitschaft der Eisenbahner in Toropez verladen werden, jedoch wurde der Transport durch
    Tiefangriffe russischer Bomber vernichtet. Im übrigen sind die in Toropez gewesenen Teile, Wehrmacht und SS Opfer der
    Winterverhältnisse geworden. Die Landstrasse von Wel.Luki nach Toropez konnte seit Wochen nicht mehr schneefrei gehalten
    werden. Sie führte durch bergiges, über besonders dünn bevölkertes Waldgebiet, Entfernung 100 km. Es wird angenommen, dass
    dies auch der Grund ist, weshalb die bereits mehrere Tage vor dem Angriff auf Toropez erfolgte Feindbesetzung der Weggabel
    südlich von Toropez nicht bereinigt worden ist, obwohl dies sich für den Verlauf der Ereignisse in Basary, 25 km südlich
    Toropez, katastrophal ausgewirkt hat. Es ist erwiesen, dass der am 21.1.1943 erfolgte Angriff auf Basary beinahe vollkommen
    überraschend gekommen ist.
    Basary war besetzt von etwa 100 Pferdepflegern des Regimentsstabes, der 1., 2. und 3. Schwadron des SS-Kav.Rgt. 1 mit für den
    Einsatz nicht notwendigen Teilen der Schreibstuben, der Kammern, der Verwaltungen usw. Ausserdem war Basary der
    Gefechtsstand des für die Bewachung des eingangs erwähnten Bahnabschnittes eingesetzten Landesschützen-Bataillons.

    Noch am 19.1.1942 wurde dem Führer der zurückgebliebenen Teile des SS-Kav.Rgt. 1 aus Toropez mitgeteilt, dass Toropez
    unter allen Umständen gehalten werden kann. Allerdings war dies die letzte Verbindung.
    Als die Pferde am 21.1.1942 mittags deshalb verladen wurden, weil der Brigadekommandeur genehmigt hatte, die Beritte
    unabhängig von Feindlagen nach Welikije Luki zu überführen, erfolgte der den Stützpunkt überraschende Angriff der Russen
    mit Übermacht und zwar ebenfalls aus südlicher Richtung. Die gesamte Ausrüstung an Gefechtsfahrzeugen usw. fielen in
    Feindeshand, aber auch hier konnten Schreibstuben , Verwaltungsmaterial und ein Teil der Fahrzeuge usw. vernichtet werden.
    Die Regiments-Schreibstube mit allen Geheimakten war durch Zufall bereits am späten Vormittag mit einem Lazarettzug zur
    Verladung gekommen und ist gerettet.
    500 noch nicht zur Verladung gebrachte Pferde wurden dank der umsichtigen Führung eines Veterinäroffiziers in die Mitte des
    Lagers gebracht, indem noch 250 russische Gefangene waren. Dieses Lager war zum Verteidigungsabschnitt bestimmt worden.
    Das Lager wurde 15 Stunden lang verteidigt, wobei den immer wieder anstürmenden Russen schwerste Verluste beigefügt
    wurden. Der Ausfall von über 50% an Toten und Verwundeten, desgleichen Erfrierungen und der dann schliesslich eintretende
    Munitionsmangel zwang den Rest am 22.1.1942 zum Ausbruchsversuch. Dieser glückte. Etwa 70 Mann, darunter Teile der
    Sanitäts-Kp. erreichten auf dem Fussmarsch und ständig von Russen verfolgt und bedrängt nach fünf Tagen Welisch, wo sie nach
    zuletzt eingegangenen Meldungen in die Verteidigungslinie Welisch eingereiht worden sind.
    Die Pferde, wie auch die Gefangenen sind während der Verteidigung gefallen.
    Zunächst hatte man gehofft, dass wenigstens die 250 beim Beginn des Angriffs bereits verladenen Pferde und Pfleger im letzten
    Moment gerettet wurden, weil der Zug bereits unter Dampf stand. Leider hat sich dies als Irrtum herausgestellt, weil das
    Bedienungspersonal der Lokomotive so feige war, den Zug abzukoppeln, ohne, von Pferden gar nicht zu sprechen, deutsche
    Soldaten und SS-Reiter hiervon zu benachrichtigen!
    (...)
    Fortsetzung folgt.

    QUELLE: Nara, T175
    __________
    MfG Uwe
  • 4.) Einsatz der SS-Kav.Brigade ohne RAA.:
    Am 5.1.1942 vormittags wurde der auf Seite 2 erwähnte Marschbefehl rückgängig gemacht. Neuer Befehl, bis zum 6.1.1942
    mittags den Raum südlich Mol.Tud an der Strasse Mol.Tud – Rshew zu erreichen.
    Der Korpsbefehl besagte, dass der Russe mit schwachen Kräften eine bereits vorhandene Einbruchsstelle westlich Bachmatowa
    nach Süden erweitert habe und mit Spähtrupps auch die Bahnlinie Oljenin – Rshew erreicht haben soll. Der Brigade befohlen,
    rittlings der Strasse Truschkowa – Rshew vorzugehen, um einer von Osten eingesetzten Kampfgruppe des VI. Korps die Hand
    zu reichen und somit die entstandene Lücke zu schliessen, unter gleichzeitiger Aufklärung in nördlicher und nordostwärtiger
    Richtung. Die Feindlage wurde am 6.1.1942 mittags und ohne Frage auch bis zum Eingang der gegenteiligen Aufklärungs-
    ergebnisse so beurteilt, dass die Schliessung der Lücke beinahe nur eine Frage der Marschzeit sein würde; denn die Brigade
    wurde von vornherein für Nachschub an Munition und Verpflegung auf Rshew verwiesen.
    Der Vormarsch begann am 7.1.1942 mit SS-Kav.Rgt. 2 voraus. SS-Kav.Rgt. 1 zunächst dem SS-Kav.Rgt. 2 folgend, sollte
    nördlich Solomino über die Wolga gehen, zum Ansatz für die vorerwähnte Aufklärung.
    Die Strasse bot ab Gliadowa das unvorstellbare Bild eines gewesenen fluchtartigen deutschen Rückzuges.
    Geschütze, Maschinenwaffen aller Art, grosse Mengen Munition jeglicher Art, stehengebliebene Fahrzeuge, darunter Schreibstubenwagen
    mit vollständigem Inhalt einschliesslich Geheimsachen erbrachten den Beweis, dass hier eine Truppe geflohen war, ohne überhaupt
    nennenswerte Feindberührung gehabt zu haben; denn auch der Vormarsch der Brigade vollzog sich zunächst ohne Feindberührung
    und die liegengebliebenen Waffen und Geräte zeigten keinerlei Anzeichen feindlichen Zugriffs.
    Besonders in Pogorelki noch liegende Soldaten, darunter eine Anzahl Offiziere und Unteroffiziere, die hier mit mehr oder
    weniger Erfolg versucht hatten, fliehende Truppenteile aufzuhalten, berichteten, dass letzten Endes der Angriff aus nichts
    anderem bestanden habe als einige Granatwerfereinschläge in den Dörfern bei Mantorowa. Allerdings sei die Katastrophe am
    Nachmittag des 6.1.1942 vollends eingetreten, als Flieger mit deutschen Hoheitsabzeichen die Strasse wiederholt angegriffen
    und die deutschen Truppen mit Bomben und Bordwaffen schwer bekämpft hätten.
    Die Truppe – es handelt sich hier um hauptsächlich um Teile des Inf.Rgt. 481, welches den linken Flügel der 256. I.D. bildete –
    sei bereits vorher durch die ungewöhnlichen Winterverhältnisse und ohne jegliche Winterbekleidung am Ende ihrer Kräfte gewesen.
    Einwirkungen, wie z.B. bei Bachmatowa durch Panzer, welche trotz des hohen Schnees eine überraschende Geländegängigkeit gehabt
    haben sollen oder wirkungsvolle Fliegerangriffe, ohne das eigene Flugzeuge im Luftraum auftauchten, wäre diese Truppe nicht mehr gewachsen gewesen.

    Am Vormittag meldete sich Major K a e s t n e r,¹ Abteilungs-Kdr. im Art.Rgt. 256 beim Brigade-Gefechtsstand. Er hatte von dem
    zusammengebrochenen Inf.Btl. und vielen Trossen über 300 Mann gesammelt und unterstellt diese und seine zwei Batterien der
    Brigade. Der Brigade-Kdr. verpflichtete die neu zusammengestellten Infanteristen und erwirkte vom Korps die Genehmigung der
    Unterstellung, nachdem er sich persönlich den Eindruck verschafft hatte, dass die Truppe sich in jeder Form wieder gefunden
    habe. Dieses durch die Art.Abt. des Major Kaestner verstärkte Btl. wird unter Führung des Majors als "Kampfgruppe Kaestner"
    bezeichnet und ist noch heute der Brigade unterstellt.
    In den späten Mittagsstunden des 7.1.1942 kam es zur ersten Feindberührung. 3. Schwadron/SS-Kav.Rgt. 2 stiess in Gusewo auf
    eine russische Feldwache, die im schnellen Zupacken vernichtet wurde. Die Schwadron wollte sofort auf Solomino durchstossen,
    geriet aber dabei in schweres Feuer. Unter schwersten Verlusten blieb der nach dem ersten Feuerüberfall angesetzte Angriff
    zwischen Gusewo und Solomino liegen. Der Schwadronschef, sowie sämtliche Führer und Unterführer waren tot oder zum
    grössten Teil schwer verwundet. Bei dem Versuch, mit der 1. Schwadron des Regimentes flankierend über Letsino den Angriff
    der 3. Schwadron wirksam zu unterstützen, wurde erkannt, dass sich der Russe im Raume Solomino – Kokoschino unter
    Ausnutzung der alten Wolgastellung zur Verteidigung eingerichtet hat.
    Die inzwischen aus Mantorowa westlich Gusewo vorgehende Vorhutschwadron des SS-Kav.Rgt. 1 löste vom nördlichen Wolga-
    Ufer, nördlich und nordwestlich Solomino, starkes Feuer des dort ebenfalls in Feldbefestigungen eingegrabenen Russen aus.
    Ein Angriff ohne Art.-Unterstützung musste als sinnlos erkannt werden. Eine zweite Schwadron des SS-Kav.Rgt. 1 war bereits
    beim Antreten des Vormarsches über Ploty – Charino über die Wolga angesetzt worden, mit dem Auftrage, als Flankenschutz
    für den beabsichtigten Übergang des Regimentes in allgemeiner Richtung Miaszowa aufzuklären. Während der Übergang dieser
    Schwadron noch ohne Feindeinwirkung erfolgte, meldete sie in den Nachmittagsstunden, dass die Orte im Raume Miaszowa
    und südlich davon bis an die Wolga stark feindbesetzt sind. Spähtrupps für die Seitensicherung rechts der Vormarschstrasse des
    SS-Kav.Rgt. 2 hatten Feindberührung in den Dörfern südlich Letsino.
    Die Feindlage wurde am Abend des 7.1.1942 so beurteilt, dass der Russe links der Wolga die Durchmarschstrasse Bachmatowa – Kokoschino
    abgeschirmt hatte, um den bereits vom Korps bekanntgegebenen Durchbruch in Richtung Bahnlinie zu verstärken.

    Während der Nacht wurde eine Batterie der "Kampfgruppe Kaestner" bei Gusewo in Stellung gebracht. Die am Nachmittag
    flankierend angesetzte verstärkte erste Schwadron des SS-Kav.Rgt. 2 besetzte Letsino. Am 8.1.1942 ab 3.00 Uhr griff der Russe
    Letsino von drei Seiten mit starken Kräften an. Trotz schwerster Verluste brachte er immer neue Reserven an, aber auch sein
    letzter Versuch, mit einem Schneeschuh-Btl. in Letsino einzubrechen, brachte ihm nur einen Teilerfolg, da sich die Schwadron
    zunächst absetzen musste, nachdem sie über 60% Ausfälle hatte.
    Der beabsichtigte Angriff der Brigade auf die stark befestigte russische Stellung konnte auch am 9.1.1942 nicht durchgeführt
    werden, da das XXIII. Korps weder den Batterien Kaestner, noch den beiden Geschützschwadronen der beiden Kav.Regimenter
    Munition liefern konnte. Die Art.Abt. hatte nur noch wenige Schuss, die gerade ausreichten, um mit Störungsfeuer dem Russen
    die Kräfte der Brigade stärker erscheinen zu lassen, als es in Wirklichkeit der Fall war.
    Im Laufe des 9.1.1942 wurde es immer deutlicher, dass die Brigade allein auf sich angewiesen war. Nach links überhaupt keine
    Anlehnung, da die erste deutsche Truppe in Stärke eines Infanteriezuges etwa 10 km nördlich Charino lag. Nach rechts offen.
    Vor der Brigade war deutlich erkennbar, dass die vom VI. Korps von Osten angesetzte Kampfgruppe ebenfalls auf so starken
    Feind gestossen war, dass sie nicht weiterkam. Ein kampfstarker Spähtrupp des SS-Kav.Rgt. 1 mit Auftrag, notfalls immer wieder
    nach Süden ausholend, in allgemeiner Richtung Rshew vorzustossen, wurde nach entsprechenden Funkmeldungen aus der
    Gegend Sawino, 10 km südlich Mantorowa, zurückgenommen, da die Linie Karpowa – Slobyrewo – Brodnikowa – Kokoschino
    als feindbesetzt festgestellt wurde. In sämtlichen Dörfern 100 – 300 Russen, dabei einwandfrei erkannt Artillerie.
    Die Meldungen der nach Süden und ebenfalls Südwesten vorgetriebenen Aufklärung und Sicherungen durch SS-Kav.Rgt. 1
    ergaben in der Nacht vom 10. zum 11.1.1942 den abschliessenden Beweis, dass der Russe aus dem Raume Gusewo – Slobyrewo
    in allgemeiner Richtung Pogorelki vorrückte, um die SS-Kav.Brigade einzuschliessen. Auch von Norden her wurde der Druck
    auf die noch am Nordufer der Wolga zwischen Saborki und Anzyferowa liegende Schwadron des SS-Kav.Rgt. 1 so stark, dass sie
    auf Saborki zurückgehen musste.

    Die Brigade hatte nun zu erwägen, welche der beiden Möglichkeiten, der Gesamtlage des XXIII. Korps entsprechend, der
    Armeeführung den grösseren Vorteil bringt. Die eine Möglichkeit war, im bereits gebildeten Igel im Raume Mantorowa – Letsino
    die Ereignisse auf sich zukommen zu lassen, die andere Möglichkeit, dass sich die Brigade 7 km in westlicher Richtung absetzt.
    Gegen die erste Möglichkeit sprachen die beiden Tatsachen, dass die nach Oljenin in Marsch gesetzten Schlittenkolonnen für das
    Heranschaffen von Artilleriemunition von der Brigade abgeschnitten worden wären und ferner, dass der Gesamtlager der Brigade
    entsprechend, das Gesetz des Handelns dann ausschliesslich beim Russen verblieben wäre.
    Für diese Möglichkeit sprach der Umstand, dass der feindbesetzte Raum zwischen der Kampfgruppe des VI. Korps und der
    Brigade allerdings zunächst erweitert wurde.
    Die Gründe für die zweite Möglichkeit waren von ausschlaggebender Bedeutung. Die Flanken des Korps, gebildet durch den in
    der Luft hängenden rechten Flügel der 206. I.D. war volkommen offen und wurde durch die russische Bewegung, die Brigade
    einzuschliessen, in jeder Hinsicht gleichzeitig gefährdet; ferner war die lebenswichtige Wegegabel Truschkowa – Urdom –
    Mold.Tud und Truschkowa – Kurkino – Oljenin unbesetzt, sodass der Russe nach Einschliessung der Brigade mit Kräften
    ungehindert und schnellsten hätte Oljenin erreichen können. Abgesehen von der Möglichkeit eines Vorstosses auf Mol.Tud. Die
    Brigade fasste deshalb den Entschluss, diese Wegegabel durch Errichtung einer Verteidigungslinie Ploty – Truschkowa – Askewo
    mit SS-Kav.Rgt. 1 und durch die Versammlung des SS-Kav.Rgt. 2 im Raume südwestlich Saizewo zu sichern.
    Der Entschluss wurde zunächst vom VI. Korps nicht gebilligt, aber die Brigade nahm bereits damals für sich in Anspruch, mit
    dem erfolgreichen Beziehen der Verteidigungslinie Ploty – Truschkowa – Askewo für das XXIII. Korps eine entscheidende
    Massnahme von grösster Bedeutung getroffen zu haben. Im übrigen darf festgehalten werden, dass der Div.Kdr. der 206. I.D.
    (XXIII. Korps) wie auch der Div.Kdr. der 256. I.D. (VI. Korps) sich in den ersten Februartagen dahingehend geäussert haben,
    dass das Absetzen aus dem Raume Mantorowa taktisch die einzig richtig Möglichkeit gewesen sei und viel Schaden verhütet hat.


    ¹Major Hans Kaestner, Kdr. I./Art.Rgt. 256
    (...)
    Fortsetzung folgt.
    __________
    MfG Uwe
  • Das Absetzen der Brigade in die Verteidigungsstellung erbrachte vollends den Beweis, welche Lage der Russe der Brigade
    zugedacht hatte. Während des Tages schoss sich der Russe jenseits der Wolga und südlich der Strasse mit schweren Waffen
    einschliesslich schwerer Artillerie auf die Strasse ein. Einen Angriff auf die starken Seitensicherungen an den von Süden her auf
    die Strasse führenden Nebenstrassen unternahm der Russe nicht, obwohl er die Orte Owsjanikowo, Usowo usw. bereits besetzt
    hatte; ebenfalls rückte der Feind auf der Vormarschstrasse nur langsam nach. Einen zwischen Truschkowa und Pogorelki
    liegenden Waldstreifen stürmte er am 12.1.1942 früh nach sorgfältiger Bereitstellung zum Angriff, weil er diesen besetzt glaubte.
    Ein zur Verschleierung zurückgelassener Reiterzug hatte es verstanden, durch Auseinanderziehen des Zuges in 18 Doppelposten
    und geschicktem Stellungswechsel der Maschinengewehre dem Russen eine starke Vorpostenlinie vorzutäuschen. In Wirklichkeit
    eignete sich der Wald nicht für die Verteidigung, wegen Unpassierbarkeit infolge des hohen Schnees, was übrigens für die ganzen
    Strassen ausserhalb der Hauptwege gilt.
    SS-Kav.Rgt. 1 konnte somit bis zum nächsten Abend, den 12.1.1942 vom Feind kaum behelligt, am Ausbau der Verteidigungs-
    linie arbeiten. Dem Regiment unterstellt wurde die in der Nacht vom 11. zum 12.1.1942 eingetroffene Flakbatterie, desgleichen
    eine Batterie der "Kampfgruppe Kaestner", die im Laufe des 12.1.1942 noch 100 Schuss Munition aus Oljenin erhielt.
    In der Nacht vom 12. zum 13.1.1942 rege Spähtrupptätigkeit der Russen und von 2.00 Uhr bis 8.30 Uhr ein Angriff nach dem
    anderen. Der Russe erlitt sehr schwere Verluste, die Zahl von mehreren 100 Toten kann nicht bezweifelt werden. Die eigenen
    Verluste waren sehr gering und so wie dieser abgeschlagene Grossangriff besonders die Stimmung bei den Soldaten der
    Wehrmacht hob, , die die rückwärtigen Bewegungen aus Richtung Kalinin und das Zusammenbrechen der Front an der
    Durchbruchstelle erlebt hatten, genau so verfehlte dieser zähe Widerstand bei den Russen nicht seine nachhaltige Wirkung.
    Während des Tages des 13.1.1942 schickte er noch dreimal kampfstarke Spähtrupps an verschiedenen Stellen vor, von denen
    zwei restlos vernichtet wurden.
    Der Russe versuchte, nach diesem Fehlschlag gegen die Stellung flankierend über Charino und Schpalewo vorzustossen. Um dies
    zu verhindern, entschloss sich die 206. I.D., die Lücke zwischen Ploty und ihrem rechten Flügel durch Einschieben eines Btl.
    Inf.Rgt. 301 zu schliessen. Der Russe erreichte zunächst Schpalewo, ehe die Kompanie des Btl. Inf.Rgt. 301 weger der
    unbeschreiblich schlechten Wegeverhältnisse eintreffen konnte. Deshalb nahm die Brigade die Orte Schpalewo und Charino,
    um sie für das einrückende Btl. freizuhalten. Schpalewo wurde von der verstärkten 2. Schwadron des SS-Kav.Rgt. 1 nach
    schweren, stundenlangen Strassenkämpfen gesäubert, desgleichen Charino, welches vom Feind weniger zäh verteidigt wurde.
    Drei Tage später griff der Russe die inzwischen von der Wehrmacht besetzten Orte mit zwei Btl. an, worauf die Besatzung von
    Charino aud Schpalewo zurück ging. Die in Schpalewo angegriffene Kompanie hatte bereits ungemein hohe Verluste, als die
    2. Schwadron des SS-Kav.Rgt. 1 aus Ploty zum Gegenstoss ansetzen konnte. Der Russe wurde geschlagen und ergriff nach
    ausserordentlich hohen Verlusten, darunter eine restlos vernichtete Kompanie, die Flucht. Allein im Abschnitt südlich Schpalewo
    wurden 160 tote Russen gezählt.
    Auch jetzt hatte die Brigade noch den Eindruck, dass die vorgesetzten Dienststellen nicht die Ansicht teilten, dass der Russe mit
    erheblich stärkeren Kräften bis zur Bahnlinie durchgebrochen sei, als angenommen. Die etwa am 18.1.1942 angesetzte
    "Kampfgruppe Meier", Führer Hstuf. Meier, Chef der Reit. Batterie/SS-Kav.Rgt. 2, meldete dann aber den Beweis. Der Russe
    marschierte bereits südlich der Bahnlinie auf Oljenin. Nun wurde die Verlängerung der Verteidigungslinie in südlicher Richtung
    befohlen. Hierzu wurde SS-Kav.Rgt. 1 am 21.1.1942 durch ein verstärktes Inf.Btl. abgelöst und nach Fetinino in Marsch gesetzt.

    Inzwischen wurde Oljenin von Russen angegriffen und wieder kam es zu einer Zersplitterung der Brigade, dessen 2. Regiment
    nunmehr nach Oljenin geworfen wurde. Gemeinsam mit der "Kampfgruppe Meier" und später einem Inf.Rgt. der Wehrmacht
    unterstellt, bereinigt das Regiment in einer grossen Anzahl von Gefechten, aber auch Abwehrkämpfen, die Lage im Raume Oljenin.
    Am 22.1.1942 traten aus der alten Verteidigungslinie Truschkowa Teile der 206. I.D. und von Osten her stärkerer Kräfte des
    VI.
    Korps zum Angriff an, mit der Absicht, die Durchbruchsstelle längs der Strasse Mol.Tud – Rshew zu schliessen. Verstärktes
    SS-Kav.Rgt. 1 trat aus dem Raume Fetinino an, warf den Russen aus Wolkowo, Jagodino, Ljutjagino, Kustoschka, Raschelalowo
    und Usowo heraus und sicherte somit die Flanke der angreifenden 206. I.D. Die Lücke wurde am nächsten Tage geschlossen.
    In
    der Nacht reichten sich in Solomino die Hände: 6. Kompanie "Der Führer" und ein kampfstarker Spähtrupp des SS-Kav.Rgt. 1.

    Die Strasse Truschkowa – Solomino, dort in nordwestlicher Richtung über die Wolga führend, wurde nunmehr die HKL der
    Nordfront in den Abschnitten des VI. und XXIII. Korps. Inf.Rgt. 413 und SS-Kav.Rgt. 1 bildeten zunächst die HKL einer
    Südfront auf der Strasse Reschelalowo – Usowo – Schalgino, die am 25.1.1942 vorverlegt wurde bis Morosowo – Staatsgut
    Tschermolino – Saizewo – Dmitrowa – Stany usw.

    5.) Die Stärke die durch die Schliessung der Lücke abgeriegelten Russen wird verschieden geschätzt. Ohne Zweifel ist sie
    beträchtlich. Ob die z.B. vom VI. Korps mit über 40.000 bezifferte Stärke zutrifft, vermag die Brigade nicht zu sagen. Sicherlich
    entspricht sie besonders dann der Tatsache, wenn die, bei Solomino durchgebrochenen russischen Divisionen dieselben sind,
    welche bis in den Raum hart nördlich Wjasma vorstiessen. Im Raume vor der Brigade wurden hauptsächlich Teile von 4
    russischen Divisionen festgestellt. Der Russe unternahm bis zum 10.2.1942 keine Durchbruchsversuche nach Norden, aber er
    greift ununterbrochen unter Einsatz stärkster Kräfte von Norden nach Süden an. Die Brigade stösst unausgesetzt mit kampf-
    starken Stosstrupps und Spähtrupp-Unternehmungen aus der Verteidigungslinie vor, wobei es zu schweren Kämpfen um alle,
    südlich der Verteidigungslinie gelegenen Orte kam. Das SS-Kav.Rgt. 2 wurde aus dem Raume Oljenin in den ersten Tagen des
    Februar der Brigade wieder zugeführt und verlängerte die Verteidigungslinie vom rechten Flügel in südwestlicher Richtung.
    Der Anschluss erfolgte in der Nacht vom 4. zum 5.2.1942.

    6.) Verluste:
    Die Gefechtsstärken der beiden SS-Kav.Regimenter in diesem Einsatz, einschliesslich Flak-Batterie, betrug am Anfang 1.500
    Köpfe. Die Verluste per 1.2.1942 an Toten und Verwundeten: 370, zuzüglich infolge von Erfrierungen etwa 100, sodass die
    Gesamtverluste einschlisslich der RAA. am 1.2.1942 870 betragen hat, ohne dieVerluste der zurückgebliebenen Teile im Raume
    Toropez – Basary, welche zur Zeit der Abfassung dieses Berichtes noch nicht abschliessend erfasst werden konnten. Sie müssen
    allein an Toten und Vermissten etwa auf 50 Köpfe beziffert werden. Die Zahl der Verwundeten und Erfrierungen stehen ebenfalls
    noch nicht fest, da infolge der Begleitumstände solche Ausfälle mit Verwundetentransporten der Landesschützen-Regimenter
    abgingen.
    Der Ersatz für die berittenen Einheiten ist in absehbarer Zeit durch die SS-Kav.Ers.Abt. sichergestellt. Ungemein schwerer ist
    die Ersatzfrage für die RAA. angesichts des hohen Ausfalls. Die Überprüfung des Zustandes der Leichtverwundeten und
    Erfrorenen in Warschau berechtigt zur Annahme, dass mit der Wiederherstellung von 160 – 180 Unterführern und Männern
    während der nächsten 14 Tage bei der RAA. zu rechnen ist. Vorschlag der Brigade war es, dass ihr ausnahmsweise ein zusätz-
    licher in Stärke von wenigstens einer Kompanie aus Ers.Btl. der Inf. der Waffen-SS überwiesen werden darf.
    Wegen der sehr erheblichen Verluste von Pferden und Ausrüstung sind alle zuständigen Dienststellen unterrichtet worden.
    Die genaue Erfassung fer verlorenen Teile und Gegenstände ist nahezu abgeschlossen und wird besonders auch von SS-Stubaf.
    Lombard auf dem Rückwege zum Gegenstand einer Besprechung beim A.O.K., zwecks Erlangung der erforderlichen
    Bescheinigung, gemacht.
    Für das Aufbringen des Pferdeersatzes sind vom Brigade-Veterinär die erforderlichen Massnahmen über VIc Kommandoamt
    der Waffen-SS ergriffen worden. Auch hat der Gouverneur des Distriktes Warschau, ebenfalls der Chef der Liegenschaftsverwaltung,
    dem SS-Stubaf. Lombard weitestgehende Unterstützung in Aussicht gestellt für den Fall, dass truppenuntaugliche
    Pferde, von denen eine grosse Zahl vorhanden ist, gegen truppentaugliche in der Landwirtschaft ausgetauscht werden.

    7.) Zum Abschluss kann die Feststellung gemacht werden, dass die Brigade trotz ungewöhnlichster Umstände jede ihr gestellte
    erfüllt hat. Ohne die für den Einsatz überaus wichtige RAA. und trotz des wegen der schlechten Verpflegungslage erforderlich
    gewordenen Absitzens wurden nicht nur die den beiden SS-Kav.Regimentern befohlenen Eilmärschen pünktlich durchgeführt,
    sondern auch die Kampfaufgaben entscheidend erfüllt. Dies kommt am besten schon dadurch zum Ausdruck, dass das XXIII.
    Korps der Brigade ohne RAA. 17 EK I. Klasse und mehr als 80 EK II. Klasse bis zum 1.2.1942 verliehen hat.
    Die Anstrengung für die Truppe waren unbeschreiblich gross, was nicht zuletzt durch die grosse Anzahl von Erfrierungen
    bewiesen wird. Die über den Kommandostab RF-SS zugewiesene Pelzbekleidung ist qualitativ und hinsichtlich Eignung
    vorbildlich, aber eben doch nicht mengenmässig für einen solchen Winterfeldzug ausreichend.
    Der Notbehelf, jedem Mann etwas zu geben, dem einen eine Pelzmütze, dem anderen eine Hose, einem dritten die Weste, ist
    selbstverständlich von der Truppe freudig begrüsst worden, zumal die Truppenteile der Wehrmacht im Korpsbereich selbst im
    Januar gar nichts hatten. Aber immerhin erforderte es der gewissenhafte Bericht über gemachte Erfahrungen, festzustellen, dass
    eben jedermann Mütze, Weste und Filzschuhe, möglichst aus Pelzhose, haben muss. Die gelieferte Zahl der Wachmäntel bzw.
    Pelzmäntel müsste im Falle einer Kriegsführung, wie der jetzigen, ebenfalls erhöht werden.
    Ungemein schwer ist bei der Winterkriegsführung in den weiten Räumen die Frage des Nachschubes. Vom Standpunkt der
    Organisation hat diese infolge der ungewöhnlichen Verhältnisse, verstärkt durch die erfolgreichen Durchbrüche der Russen,
    nicht ausreichend funktionierte. Die den ungewöhnlichen Verhältnissen entsprungenen ungewöhnlichen Massnahmen aber
    reichten aus; Verpflegung war oft knapp, aber verhungert ist keiner! Der Nachschub von Infanterie-Munition hat auch in
    schwersten Tagen durch die Flugzeuge voll ausgereicht. Schwieriger war diese Lage für die Artillerie, ebenso für Pak und I.G.

    Grundsätzlich jedoch meint die Brigade, feststellen zu müssen, dass Schwierigkeiten sofort dann auftauchten, wenn ihre Teile
    Regimentern und Divisionen der Wehrmacht unterstellt wurden. Besonders Regimenter, aber auch Divisionen waren kaum
    jemals in der Lage, die ihnen unterstellten Einheiten der Brigade ausreichend mit Nachschub jeglicher Art zu versehen.
    Es mag sein, dass auch hier die ungewöhnlichen Verhältnisse dieses Winterfeldzuge wesentlich zu diesen Mängeln beigetragen
    haben. Aber abschliessend bittet die Brigade gehorsamst, zu erwägen, dass sie als verstärkte SS-Kav.Brigade, die gemäss K.St.N.
    Nun einmal ist, auch ohne Rücksicht auf irgend welche Sonderfälle nur noch geschlossen verwendet wird. Nicht nur, dass
    nachschub- und verpflegungsmässig die dauernde Zersplitterung grosse Schwierigkeiten mit sich bringt, auch führungsmässig
    entstehen Ergebnisse, die die den Bestand der Truppe als SS-Einheit ungemein gefährden, abgesehen davon, dass bei
    geschlossenem Einsatz auch die taktischen Efolge stets grösser sein werden. Die Brigade glaubt nicht fehl zu gehen in der
    Annahme, dass gerade dieser Bericht den Beweis für diese Behauptung bringt, ohne hiermit auch nur im Entferntesten gegen
    irgend welche dritten Dienststellen einen Vorwurf erheben zu wollen. Aber wäre die SS-Kav.Brigade nicht auseinandergerissen
    worden, sondern ausgestattet mit höchstem Befehl der Wehrmacht nur unter der Bedingung geschlossenen Einsatzes zur
    Verfügung gestanden, so wäre nach Erachten der Brigade dem Russen der Durchbruch über Pjeno ungemein schwer geworden,
    oder aber das Kräfteverhältnis bei der beabsichtigten ersten Schliessung der Lücke Rshew wäre wesentlich günstiger gewesen,
    wahrscheinlich sogar mit ausschlaggebender Bedeutung.

    SS-Kavallerie-Brigade
    i.V.
    Lombard (eigenh. Unterschrift)
    SS-Sturmbannführer
    __________
    E N D E
    __________
    MfG Uwe


    Kartenquelle: UHF51, Der große Weltatlas, 1940, Bibliographisches Institut AG / Leipzig (Ausschnitt)
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