Medizinische Versorgung der Zivilbevölkerung durch die deutsche Wehrmacht in der Sowjetunion 1941-1944

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    • Hallo Michael,

      Wehrmachtlexikon schrieb:

      ich bin mir sehr sicher, dass wir in dieser Richtung belegbare Zahlen und Beispiele finden werden, die und ein relativ klares Bild liefern können.
      vielleicht habe ich mich mißverständlich ausgedrückt. Es ging mir nicht um einen Zahlenbeweis, dass nicht das halbe Sanitätswesen 40 Wochenstunden für die russische Zivilbevölkerung abgestellt werden konnte. Eher um Formen und Fälle der Mitversorgung, was z.B. macht ein Staffelarzt der Luftwaffe neben dem normalen Dienstbetrieb, wenn in seinem stationierten Dorf eintausend Kinder Keuchhusten haben, siehe Foto? Also die Sichtweise der Praxis vor Ort - NICHT AN GROSSKAMPFTAGEN, über den Tellerrand statistischer Zahlen hinaus.

      Oder meinst Du wirklich, ein Tupfer und ein Tropfen Jod zusätzlich für die russische Bevölkerung hätte das Großdeutsche Reich vorzeitig an den Rande des Zusammenbruchs gebracht?
      Das wäre doch eher dem fehlenden Benzin, fehlender Waffen und anderem Nachschub geschuldet gewesen.


      Gruß
      Udo
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      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von udorudi ()

    • Hallo,

      ich habe auch hier im Forum eine Buchempfehlung entdeckt, die in dieser Hinsicht sehr aussagekräftig ist:
      Als Sanitätsoffizier im Rußlandfeldzug (Mit der 3. Panzer-Division bis vor Moskaus Tore)
      wehrmacht-forum.de/index.php?t…light=luftfahrt#post29333

      Die Tagebuchaufzeichnungen von Assistenzarzt Dr. Türk zusammen mit den außergewöhnlichen Farbbildern zeigen deutlich,
      welchen Zulauf so eine örtliche Krankenstube haben konnte.


      Gruß
      Udo
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    • Hallo Udo,

      udorudi schrieb:

      vielleicht habe ich mich mißverständlich ausgedrückt.
      dass kann ich dir im Moment auch nicht so genau sagen. Ich dachte eigentlich, dass ich meine Aussage zur Lageentwicklung an der Ostfront - in Bezug auf das Sanitätswesen - etwas transparenter machen sollte.

      Gruß
      Michael

      PS: Das von Dir eingestellte Buch kann ich wirklich nur empfehlen, zumal es hier sehr gut rein passt!
      Ein Projekt von wehrmachtlexikon.de
    • Hallo Michael,

      noch empfehlenswerter sind die detailreichen Erinnerungen von Alexander Kern, die im Internet als PDF abrufbar sind (siehe Link).
      Auch hier sind spontane Hilfeleistungen während des Vormarsches erwähnt.

      Kern schrieb:

      Unser 2. Zug hatte Anfang Juli im Wolkowysk ein Orts-Lazarett aufgemacht, und zwar in einem Flügel des russischen „ГОСПИТАЛЬ“. Wir versorgten dort nicht nur unsere deutschen Verwundeten, sondern auch ca. 70 Polen = polnische Zivilisten, die bei der Einnahme der Stadt teilweise schwere Verwundungen erhalten hatten durch Fliegerbeschuß und Artillerie. Die jüdischen Ärzte des Hospitals waren – verständlicherweise – beim Nahen der Deutschen geflohen. Daher lagen Dutzende schwerer Fälle seit mehreren Tagen ohne jede Versorung. Wir versorgten und operierten und verbanden nun alle diese hilflosen Menschen mit ihren üblen, vereiterten Wunden. Es wurden auch Nachamputationen vorgenommen, wo es notwendig geworden war, um eine allgemeine Sepsis zu verhüten. Wir hatten glücklicherweise sehr viel Verbandsmaterial. Die rührende Dankbarkeit der polnischen Zivilisten hatte ein gutes Echo in der Stadt: „Pan Doktor“ hier. „Dzen kuje (Danke schön), Pan Doktor.“
      Ich ging im weißen Ärztemantel über dem Uniformrock (um die Mediziner unseres 2. Zuges zu unterstützen!) durch die übervollen Stationen, um Morphium, SEE, Cardiazol und Sympatol zu injizieren, und galt auch als „Pan Doktor“ bei den Verwundeten. Es herrschte in den Sälen eine sehr lästige Fliegenplage, der unsere „unsterilen Helfer“ erfolgreich mit „Flit“ in großen Sprühdosen zu Leibe gingen. Damals bekam ich solide Übung in jeder Art Injektionen: subkutan, intergluteal, intramuskulär und auch intravenös (was sonst den „gelernten“ Ärzten vorbehalten war). Aber in diesem übervollen Hospital! Als wir nach 14 Tagen Arbeit in Wolkowysk weiter nach Osten marschierten, mußten wir die Hospitalkranken ohne jede ärztliche Hilfe zurücklassen.


      Quelle:
      Alexander Kern ERINNERUNGEN
      4. Teil 1939–1945 Als Sanitäter im Zweiten Weltkrieg
      Mit der Sanitätskompanie 2/262– 2/353 I. D.– 2/236 I. D.– 328 I. D.1939–1945 in Ost- und Westeuropa
      von Sanitätsfeldwebel A. Kern OP-Instrumenteur/Hauptverbandplatz
      alexmem4-quer.filmfast2.de/alexmem4-quer.pdf


      Gruß
      Udo
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