Heute am 13. Dezember vor 73 Jahren, am frühen Vormittag,...

    • Heute am 13. Dezember vor 73 Jahren, am frühen Vormittag,...

      ...kam mein Vater in Kehrig/Kreis Mayen bei der Explosion seines Schützenpanzerwagens ums Leben.
      Der SPW stand in einer Scheune, die dann völlig ausbrannte.
      Laut WAST war mein Vater zuletzt Gefreiter in der 3. Kompanie Panzer-Aufklärungs-Lehrabteilung 130, Feldpostnummer 27367.
      Es gab an diesem Tag in dem kleinen Ort keine Kampfhandlungen.
      Die Ardennenoffensive stand kurz bevor, und mein Vater sollte einen PKW statt des SPW fahren.
      Die handgeschriebene Nachricht vom tödlichen Unglücksfall erhielt meine Mutter wenige Tage danach. Seine Armbanduhr mit wenigen Habseligkeiten in einem kleinen Päckchen wurde ihr später zugeschickt. Die Uhr funktioniert noch genau und heute trage ich sie, zum Gedenken meines Vaters, an den ich mich nicht erinnern kann, denn ich war erst zwei Jahre alt, als er starb.
      Lange rätselte ich über die Unglücksursache, sogar an einen Suizid dachte ich. Eine Kameradensuche blieb vor 10 Jahren ergebnislos.
      Das Buch von Otto Henning:
      "Als Panzer-und Spähtruppführer in der Panzerlehrdivision 1943-1945"
      half mir dabei auch nicht weiter.
      Im Sommer dieses Jahres recherchierte mein Sohn über die Feuerwehr in Kehrig in den letzten Kriegsjahren und wurde fündig. Der Brand der Scheune wurde damals dokumentiert. Der spätere Feuerwehrmeister, ein heute 80-jähriger Zeuge, sah zuletzt meinen Vater als 7-jähriger Bub, zusammen mit seinem gleichaltrigen Freund Jakob, damals fast täglich. Denn der Schulunterricht fiel in diesen Jahren aus. Bei meinem kinderlieben Vater durften sie in den SPW klettern und sich dort umsehen.
      Am 13.12.44 musste der heute 80-Jährige aber seine kleine Schwester hüten und Freund Jakob stieg allein in den SPW. Wahrscheinlich hatte er eine Panzerfaust untersuchen wollen, während mein Vater sich um ihn nicht kümmerte.

      Die Mutter vom Jakob hat ihren Mann, der als Soldat vermisst war, nie wieder gesehen und über den Tod ihres Sohnes kam sie nie wieder hinweg.

      Mein Vater und Jakob wurden nebeneinander in Kehrig bestattet. 1957 wurde mein Vater auf den Soldatenfriedhof Bodendorf umgebettet.

      Mit meinem Bericht möchte ich daran erinnern, dass es immer wieder Fälle gibt, die noch nach Jahren erstaunen und berühren.

      Ickprima. eine Kriegshalbwaise.
    • Hallo Ickprima,

      willkommen hier bei uns im Forum.
      Das ist wirklich eine außergewöhnliche Geschichte. Und ja du hast vollkommen recht, solche Geschichten müssen erzählt werden.

      Gruß Ulf
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      Ich suche Bildmaterial, Dokumente und sonstige Informationen über ausländische Orden und Ehrenzeichen die an Deutsche verliehen wurden. Zum Zweck der Aufarbeitung und der Dokumentation.
      Vielen Dank
    • Hallo Ickprima und willkommen im Forum,

      danke für das Teilhaben an deiner Familiengeschichte. Ich muss ehrlich sagen, dass ich einen leichten Schauer bekommen habe beim Lesen. Ich kann somit deinen letzten Satz vollkommen zustimmen.

      Horrido

      Daniel
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