Gefechtsbericht Lehr- Regiment "Brandenburg" z.b.V. 800

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    • Gefechtsbericht Lehr- Regiment "Brandenburg" z.b.V. 800

      Guten Abend,

      bei recherchen zum Panzer Regiment 4, habe ich in einer Nara Rolle Gefechtsbericht zu Canaris seiner Haustruppe den Brandenburger gefunden.
      Nun dachte ich mir das tippe ich mal ab und stell das hier ein, sehr interessant.

      Bis bald
      Rolf

      Quelle: Nara (hoffe die Quellen Angabe reicht so)



      O.U., den 20.9.1942
      Lt. Renner
      8./ Lehr-Regiment “Brandenburg“
      z.b.V. 800


      Vorläufiger Gefechtsbericht
      Über den unter Führung von Lt. Renner gegen die Terek- Brücke bei Terek gemachte Stoßtrupp.

      1. Feindlage:
      Panzer Division ist unter harten Kämpfen bis Nish.Kurp vorgedrungen und hat mit einer Vorausabteilung Werch Kurp am 14.9.1942 erreicht. Gegner greift von Osten, Süden und Westen an und führt dauernd Verstärkungen heran, zum Teil über die Brücken bei Arik und Terek.

      2. Eigene Lage:
      Kompanie bei 13. Panzer Division ist dem Panzergrenadier- Regiment 93 unterstellt.

      3. Auftrag:
      Ein Stoßtrupp der 8. Kompanie soll sich am Abend des 14. September getarnt von Höhe 404 absetzen, Aufklärung nach Westen betreiben und versuchen, die zur Sprengung vorbereitete Terekbrücke bei Terek zu sprengen.

      4. Gedachter Verlauf:
      Lt. Renner beabsichtigt, sich mit einer Gruppe von 12 Mann in Volltarnung, russisch bewaffnet am 14. September nach Einbruch der Dunkelheit von den deutschen Gefechtsvorposten auf Höhe 404 abzusetzen und zu Fuß den Akbatsky- Kanal zu erreichen. Auf Höhe der Straße Arik – Deisskoe sollen 2 V- Leute, darunter einer in der Uniform eines russischen Hauptmanns gegen die Terek- Straßenbrücke abgesetzt werden mit dem Auftrag, die Sprengung der Brücke auf Grund eines fingierten Befehls herbei zuführen.

      5. Durchführung:
      Die Gruppe setzt sich am 14. September abends 19.15 Uhr von den Deutschen Gefechtsvorposten auf Höhe 404 zu Fuß ab und schleicht zunächst 1km nach Nordwesten. Nach einer ½ Stunde wird die Gruppe von einem Doppelposten in einem kleinen Feldweg angehalten und nach Parole gefragt.
      Nach Ausweichenden Antworten will der Posten die Gruppe zu seinem Kommissar führen, der 300m nördlich an einer Weggabel stand. An dieser Weggabel stehen nach Angabe des Postens 1 schwere Pak, mehrere Panzerbüchsen, 1 Leutnant und 1 Kompanie. Die Gruppe vermeidet das Ausfragen durch den Kommissar und marschiert querfeldein weiter. Posten und Feldstellungen werden des öfteren Umgangen, Panjewagen mit Soldaten vorbeigelassen. Der Akbatsy- Kanal wird südlich Wladimirowsky überschritten. Der Kanal selbst, wie ein anderer ostwärts davon eingezeichneter Bach, sind trockene Gräben, die für Panzer kein Hindernis bilden.
      Der längs der Straße Arik – Deisskoe führende Bach dagegen ist 6m breit, sein Wasser hat Knietiefe. Da er steinernen Untergrund hat, bildet auch er für Panzer kein Hindernis. Inzwischen ist die Morgendämmerung hereingebrochen. Die Gruppe rastet in einem Maisfeld. Lt. Renner befiehlt Einzelerkundung. Dabei wird festgestellt, dass nordwestlich Nish.Akbasch eine moderne 15,2cm Batterie amerikanischer Bauart steht. Richtung der Geschütze nach Nordosten. Am Ostrande von Nish.Akbasch 2 3,7cm Flakgeschütze, am Nordrande des Dorfes 2 s.MG.'s ; um das Dorf herum befinden sich Feldstellungen. Auf allen Straßen und Wegen nach Norden und Nordosten reger Verkehr, vor allem durch Panjewagen. Nur wenige LKW und Traktoren werden beobachtet. Eine Erkundung nach Westen ergibt folgendes Bild: der Raum westlich der Straße Arik – Deisskoe bis zum Terek ist von russischen Infanterie stark besetzt. Es handelt sich vorwiegend um Posten zu Fuß und Streifen zu Pferd. Feldküchen werden erkannt. Die für die Brücke vorgesehenen V- Leute hielten unter diesen Umständen das Unternehmen für undurchführbar, da eine dauernde Kontrolle nicht zu umgehen gewesen wäre. Lt. Renner kann sich diesen Einwendungen nicht verschließen und beschließt umzukehren.
      Gegen Abend bricht die Gruppe Richtung Osten auf. Laut sprechende Schützen und Posten werden umgangen. Die Gruppe gerät auf der Hälfte der Straße Wladimirowsky – Nish.Krup in eine russische Batterie, die gerade von ihrem Chef eingewiesen wird. Die Geschützführer geben Munitionsmeldungen mit je 100 Schuss ab. Kolonnen Bewegungen in nördlicher und nordwestlicher Richtung werden wieder erkannt. Im Morgengrauen gerät die Gruppe zwischen angreifende russische Kompanie, die gegen 7 deutsche Panzer angehen, und kann sich gerade noch im hohen Gras verstecken. Als russische Pak und 1 Batterie gut gezieltes Feuer abgeben, ziehen sich die deutschen Panzer zurück. Eine genaue Umschau ergibt, dass die Gruppe ungefähr am rechten Flügel eines russischen Bataillons liegt. Ein Gefechtsstand wird einwandfrei erkannt; russische Offiziere fahren mit PKW vor. Die Gruppe selbst liegt ungefähr 8km ostwärts Nish.Krup. Ein LKW mit angehängter Pak fährt zum russischen Gefechtsstand. Panzerbüchsen werden in Stellung gebracht. Die Gruppe wird mehrfach erkannt ohne aufzufallen.Am Nachmittag wird ein russischer Angriff knapp 1km südlich der Gruppe vorgetragen. Eine 7,6cm Batterie unterstützt den Angriff aus einer Stellung, die in unmittelbarer Nähe der Gruppe liegt.
      Inzwischen hat Lt. Renner festgestellt, dass die Höhe 404 von der er sich abgesetzt hatte, in russischer Hand war. Mit Einbruch der Dunkelheit tritt die Gruppe an, um sich in die deutschen Linien zurück zubegeben. Zwischen russischen Stellungen hindurch erreichte die Gruppe mit viel Glück gegen 20.30 Uhr die deutschen Gefechtsvorposten. Parole Kafkaa – Adler war bekannt.
      Lt. Renner meldete sofort fernmündlich dem Ia der Division das Ergebnis des Stoßtrupps und wird für den anderen Morgen zur mündlichen Meldung befohlen.

      Leutnant Renner
    • Hallo Rolsee,
      interessanter Bericht der ,,Brandenburger" den Du dem Forum zur Verfügung gestellt hast. Nehme an, dass dieser im Kaukasusgebiet spielt, wenn mich meine Geo-kenntnisse nicht im Stich lassen. Besagte Truppe war ja eine geheimnisumwitterte Einheit, die einige spektakuläre Unternehmungen durchführte. Leider zuletzt wohl auch stark verheizt.
      MfG Wirbelwind
    • Hallo Rolf,

      Vielen Dank für dein Einstellen und mühe. Ja solche Berichte sind sehr interessant und willkommen. Also wenn du noch mehr hast ;) :thumbsup:

      wirbelwind schrieb:

      Hallo Rolsee,
      interessanter Bericht der ,,Brandenburger" den Du dem Forum zur Verfügung gestellt hast. Nehme an, dass dieser im Kaukasusgebiet spielt, wenn mich meine Geo-kenntnisse nicht im Stich lassen.
      Hallo Wirbelwind,
      ja deine Kenntnisse täuschen dich nicht, das war am Terek in der "nähe" von Grosny, wäre dieser Stoß damals geglückt dann wären die Deutschen Verbände bis ans Kaspische Meer gelangt. Um damit dann auch die Ölfelder von Baku in ihre Hand zu bekommen. Aber das Ziel vor Augen (ich glaube ca. 90 km), wie 1941 vor Moskau, ist der Vorstoß erlahmt und zum Stillstand gekommen.

      Gruß Ulf
    • Hallo Rolsee,

      ebenfalls vielen Dank fürs einstellen. Solche Berichte sind im Bezug auf Detailinformationen immer eine richtige Goldgrube. Es ist aber für mich oftmals sehr schwer die richtigen Informationen zu finden bzw. rauszufiltern. Man kann sich in diesen Nara-Rollen manchmal echt zu tode suchen. :)

      Beste Grüße
      Robert
    • Hallo,
      die Nara-Rollen sind mit Sicherheit konkreter, was die Einsätze der ,,Brandenburger" betrifft, speziell auch im Kaukasus, aber einen kleinen Vorgeschmack darüber vermittelt auch das Buch von W.Berthold,, Die Männer der Division Brandenburg". Klar, dass Buch ist in Romanform geschrieben und damit ist es kein fundiertes Tatsachenbuch, doch eine Eindruck, was die ,,Brandenburger" ausmachte, vermittelt es schon.
      Tja, PZPIK240 was die besagten 90 km bis zu den Erdölfeldern von Baku bzw. die wenigen Kilometer bis Moskau betrifft, da hatte sich Hitler und seine Generalität verschätzt. Zuviel auf einmal gewollt, gezaudert und zersplittert die verfügbaren Truppen eingesetzt bzw. die Linien überdehnt. Dazu noch der früh einsetzende Jahrhundertwinter 1941/42 und das Chaos war perfekt. Die notwendige Rückführung der Heeresgruppe aus dem Kaukasus hat auch mit dazu geführt, warum der frühzeitige Ausbruchsbefehl aus dem Stalingrader Kessel unterblieb.
      MfG Wirbelwind
    • Guten Abend miteinander,

      Hier habe ich nun den versprochenen zweiten Gefechtsbericht. Mit den doch recht spannend Ereignissen um die Eroberung der Brücken.
      Viel Spaß beim lesen.


      #Wirbelwind
      Also das Buch kenne ich nicht, habe nur das Buch von Werner Brockdorf " Geheimkommandos des zweiten Weltkrieges " gelesen, und das ist auch sehr interessant vor allem wie sich diese spezial Einheit sich zum Ende des Zweiten Weltkriegs verhielt.
      Da hast du sicher recht mit den Rückführungen, es gab leider zu viele Fehleinschätzungen und Fehlinterpretationen der Lage die auch zu einem erheblichen Maß an dem Chaos betrugen.

      Schönen Abend
      Rolf

      Quelle: Nara Rolle

      Teil I

      Lau, Leutnant
      5./ Lehr- Regiment “Brandenburg“
      z.b.V. 800
      Gefechtsstand, 22. September 1942


      Gefechtsbericht über das Unternehmen auf die
      Eisenbahnbrücke und die Straßenbrücke nordwestlich
      Arik am 20. September 1942.

      Feindlage am 19.9. im Raume der Kampfgruppe v. Raczeck:
      Westufer des Terek bei Maiskoje in Feindeshand. Feind in Bunkern und Feldstellungen bis Arik.
      Arik stark besetzt, verstärkt besonders durch Artillerie und Pak. Nord- und Westhang von Höhe 396 stark feind besetzt; viele Panzerbüchsen und Granatwerfer. Zwischen Baraki und Höhe 191 eine eingeschlossene russische Kampfgruppe, bestehend aus 1 Kompanie Infanterie, 1 Pakzug, 1 Infanterie Geschütz Zug und 1 Reiterzug.

      Auftrag:(Laut Divisions- Befehl Nr.51 vom 18.9. Ziff.3 und fernmündliche Nachfrage)
      1. Die Sprengung der Eisenbahnbrücke nordwestlich Arik ist zu verhindern durch zerschneiden der Zündleitungen auf der Brücke.
      2. Eine Sicherung ist aufzubauen am ostwärtigen Brückenende. Von der Bildung einer Sicherung am westlichen Ufer ist abzusehen, da von der Division am Westufer vorläufig ein Brückenkopf nicht hergestellt werden soll.

      Beabsichtigte Durchführung:
      Der Stoßtrupp Lt. Lau setzt sich zusammen aus:
      1 Schützengruppe, 1 Pioniergruppe, 1 s.MG.- Gruppe, 9 V- Leute, 3 Volksdeutsche.
      Der Stoßtrupp geht in Volltarnung vor.
      Außerdem gehen mit der nachfolgenden eigenen Truppe 2 Schützengruppen der 5./ Lehr- Regiment “Brandenburg“ mit vor, um durch eigenes Beispiel auftretende Zögerungsmomente zu überwinden und bei Annäherung des Entsatzes die Erkennung zu erleichtern.
      Führung des Stoßtrupps: Lt. Lau
      Führung der Schützengruppen: Lt. Sauerblick

      Fall A:
      Wenn hinter dem Stoßtrupp Lt. Lau Panzer zum Entsatz angesetzt werden, wird im mot. Anmarsch auf russischen Beutefahrzeugen zur Brücke vorgegangen.

      Fall B:
      Wenn die eigene Truppe infanteristisch in Richtung Brücke vorgeht, setzt sich der Stoßtrupp zu Fuß ab. Dabei werden die s.MG. Und Munition auf Panjewagen mitgeführt.

      In beiden Fällen geht der Stoßtrupp zunächst bis zum Höhengelände 300m vor der Brücke vor. Dort wird verhalten, und die beiden s.MG. Werden mit Feuerwirkung auf beide Brückenenden in Stellung gebracht. Dann geht Lt. Lau mit der Schützengruppe, der Pioniergruppe, den V- Leuten und den Volksdeutschen in die Ebene hinunter, die sich, durchbrechen nur vom Eisenbahndamm, zum Terekufer hinzieht. An den Erdbunkern und Stellungen in der Ebene vor der Brücke ist unter allen Umständen unter Ausnutzung des Tarn- und Überraschungsmomentesohne Kampfberührung vorbeizugehen, um an die Zündleitungen heranzukommen, bevor die Tarnung erkannt ist.

      Am diesseitigen Brückenende stellt die Schützengruppe am Eisenbahndamm eine Sofortsicherung her, während die Pioniere auf der Brücke alle auffindbaren Leitungen durchschneiden.

      Die Pioniere ziehen sich dann auf die Stellung der Schützengruppe zurück, und beide Gruppen sichern das Brückenende, bis Entsatz eintrifft.

      Plan und Entsatz frage wurde mit Führer Kampfgruppe v.R., Herrn Oberst v. Raczek; mit Bataillons Kommandeur, II./ Panzer Grenadier Regiment 66, Herrn Hauptmann Büschlepp; mit Chef 4./ Krad Schützen Bataillon 43, Herrn Hauptmann Werdermann; und mit Verbindungsoffizier II./ Lehr- Regiment “Brandenburg“, Herrn Hauptmann Müller, besprochen.
    • Teil II



      Tatsächlicher Verlauf:
      Am 19.9. abends stand das II./ Panzer Grenadier Regiment 66 auf der Höhe der Kolchose 5km nördlich Eisenbahnbrücke.

      Der Stoßtrupp Lt. Lau stellte sich an der Kolchose bereit.

      Ein Spähtrupp des Stoßtrupps, bestehend aus Gefreiter Beick und Gefreiter Breitkreuz, wurde in Volltarnung um 21.00 Uhr von der vordersten Sicherung der 7. Kompanie abgesetzt mit Auftrag, Annäherungsmöglichkeit an die Brücke und die Stellungen am ostwärtigen Ufer zu erkunden. Der Spähtrupp kam am 20.9. um 2.00 Uhr zurück mit folgendem Aufklärungsergebnis:
      Beiderseits der Straße längs des Terekufers in Richtung auf die Brücke befinden sich Erdbunker, von denen diejenigen in Kolchos nähe anscheinend verlassen sind. Panzergräben sind nicht vorhanden. 300M vor der Brücke fällt das Gelände zur Brücke hin steil ab. Am Hang und im Grund vor der Brücke sind besetzte Erdstellungen und Grabensysteme.

      Am 20.9. morgens wurde das II./ Panzer Grenadier Regiment 66 auf Arik angesetzt, während 4./ Krad Schützen Bataillon 43 in Richtung auf Eisenbahnbrücke vorgehen sollte, um die rechte Flanke von II./ Panzer Grenadier Regiment 66 zu decken, und um den Stoßtrupp Lt. Lau an der Brücke zu entsetzen.

      Der Stoßtrupp Lt. Lau setzte sich um 6.30 Uhr im Fußmarsch in Volltarnung an den vordersten Sicherungen ab.
      Munition und 2 s.MG. Wurden auf zwei Stroh beladene Panjewagen mitgeführt. Auf den Wagen lagen zudem Männer mit Scheinverbänden, um im Rückgehen befindliche Feindgruppen vorzutäuschen. Der Stoßtrupp kam unerkannt bis in das Höhengelände 300m vor der Brücke. In einer Mulde wurde kurz Halt gemacht, die Panjewagen in Deckung gefahren, die s.MG. Abgeladen und in Stellung gebracht. Die Russen im Brückengelände waren zu der Zeit abgelenkt durch Kampflärm im Zwischengelände, wo bereits eigene Truppe vorging.
      Als die s.MG. Mit Wirkung auf beide Brückenenden Feuerbereit waren (siehe beigelegte Skizze), setzte ich mich mit der Pioniergruppe, der Schützengruppe und V- Leuten in Marsch den Hang hinab zum ostwärtigen Brückenende. Durch hastiges Laufen, Stolpern und auffälliges Rückwärts schauen in Richtung eigene Truppe gelang es, die Russen in den vollbesetzten Erdbunkern und Grabenstellungen in der Ebene zu täuschen, die annehmen mussten, wir befänden uns im Rückfluten vor den deutschen Truppen.

      Der Belag einer kleinen Holzbrücke über einen Wasserlauf war abgedeckt. Die Russen im nächstliegenden Bunker wiesen uns auf einen Bohlensteg über den Wasserlauf. Der Stoßtrupp nahm diesen Weg herüber und ging weiter auf die vollbesetzten Bunker und Gräben vor dem Eisenbahndamm zu. Die Russen standen mit fertiggemachten Handwaffen und Handgranaten in ihren Stellungen, ließen sich durch russische Anrufe aber weiter täuschen, so das wir an den ersten Stellungen vorbeikamen.

      In der Nähe der Unterführung durch den Eisenbahndamm hatte ich jetzt Überblick zugleich über einen Teil der Straßenbrücke, die 30m südlich Eisenbahnbrücke lag. In Erkenntnis der entscheidenden Bedeutung auch der Straßenbrücke und der günstigen Lage der Brücken nebeneinander entschloss ich mich, in Erweiterung meines ursprünglichen Auftrages beide Brücken zugleich anzugehen, um den Einfluss des Gegners von der Straßenbrücke her auf die Eisenbahnbrücke auszuschalten und damit eine vollkommene Sicherung des gesamten Brückenraumes vom ostwärtigen Ufer her zu erreichen.

      In Ausführung dieses Entschlusses ging ich mit meiner Mannschaft auf die Unterführung durch den Eisenbahndamm zu, um in den Raum zwischen beiden Brücken zu gelangen.

      Vor der Unterführung stand ein russischer Leutnant, der auf ein Minenfeld auf dem Wege hindeutete. Auf russischen Anruf des Gefreiten Beick hin schleuste er uns durch das Minenfeld, ohne die Situation zu erfassen.

      Jenseits der Unterführung befanden wir uns in einem Erdbunker- und Grabensystem, das den ganzen Raum zwischen beiden Brücken ausfüllte und stark besetzt war. Ich bog mit den Pionieren und den ersten Schützen nach rechts ab zum Bunker nächst dem Brückenanfang. Die Russen waren über unser Erscheinen so verwirrt, das sie keine Gegenmaßnahmen trafen. Der Pioniertrupp Oberjäger Pernthaler, Gefreiter Schön, Gefreiter Mark, Jäger Mayr lief an die Eisenbahnbrücke, während der Pioniertrupp Oberjäger Resch, Gefreiter Malik, Gefreiter Kratschvill auf die Straßenbrücke angesetzt wurde.
      Es gelang sofort, die Leitfeuerzündungen zu den Brücken und auf den Brückengeländer zu finden und zu durchschneiden.

      Währenddessen waren die Schützengruppe und die V- Leute zu dem obersten Bunker gelangt. Die V- Leute und die Volksdeutschen lenkten durch russische Worte die Russen in diesem Raum so ab, dass sie nicht merkten, was durch die Pioniere auf den Brücken geschah.

      Als die Pioniere beide Brücken wieder verlassen hatten, wurden im überraschenden Vorstoß im Nahkampf die Stellungen zwischen den Brücken aufgerollt. Gegen jetzt einsetzendes Feuer vom jenseitigen Ufer und aus dem Graben längs des Bahndamm wurden die eben aufgerollten Stellungen besetzt und sich in denselben zur Verteidigung eingerichtet. Zwei dort liegende feuerbereite russische l.MG. Wurden in die eigene Verteidigung eingebaut. Zugleich brachte der gefreite Mark einen leichten russischen Granatwerfer, der mit Munition neben dem obersten Bunker stand, in Stellung und beschoss damit das jenseitige Ufer.

      Nachdem die beiden Pioniertrupps in die Sicherung der eigenen Stellung mit einbezogen waren, wurde die eigene Stellung durch Oberfeldwebel Schmalbruch im Nahkampf durch die Unterführung hindurch auf die ersten Stellungen Nordseite Bahndamm erweitert. Seiner Kaltblütigkeit ist hierbei entscheidenden Anteil beizumessen.

      Aus dem weiteren rückwärts liegenden Stellungen flüchten inzwischen die Besatzungen zum Terek hin und über den Bahndamm in Richtung Arik.

      8.30 Uhr waren die diesseitigen Brückenteile fest in meiner Hand und die Gefahr einer Sprengung beseitigt.

      Beim Gegner am jenseitigen Ufer war trotz längeren Feuergefecht die Lage noch nicht voll erkannt. Es wurde vom anderen Ufer zweimal ein Melder herüber geschickt, der erfragen sollte, was geschehen sei. Beide Melder wurden gefangen genommen.

      Die nachfolgende eigene Truppe, 4./ Krad Schützen Bataillon 43, hatte sich inzwischen bis an den Höhenrand 300m vor der Eisenbahnbrücke vorgeschoben. Die 4./ Krad Schützen Bataillon 43 mit angesetzten beiden Schützengruppen von 5./ Lehr- Regiment “Brandenburg“ trafen als erste Verstärkung in der Zeit von 9.15 Uhr bis 9.30 Uhr unter Führung von Feldwebel Hildebrandt und Feldwebel Hohewitz in meiner Stellung ein.

      Aus der Stellung zwischen beiden Brücken gelang es, unter Feuerunterstützung der von der Höhe wirkenden schweren Waffen die am Westufer sich stärker ansammelnden russischen Kräfte am Betreten einer der Brücken zu hindern.

      Der Entsatz von 4./ Krad Schützen Bataillon 43 traf unter Führung von Oberfeldwebel Kunde um 11.30 Uhr an der Brücke ein und bezog die von mir eingerichtete Stellung.

      Der Stoßtrupp begab sich dann in seine Ausgangsstellung zurück.

      Die Brückenstellung wurde an Chef 4./ Krad Schützen Bataillon 43, Herrn Hauptmann Werdermann, übergeben.


      Der Gegner verlor bei diesem Unternehmen 32 Gefangene und zahlreiche Tote und Verwundete.

      Der Sprengplan für die Eisenbahnbrücke wurde erbeutet.

      Die eigenen Verluste betrugen 2 Tote und 4 Verwundete.



      Lau
      Leutnant




      Anlagen:
      • 1 Skizze zum Unternehmen
      • Sprengplan
      • Russische Geländeskizze
    • Hallo Rolsee,
      solche Gefechtsberichte sind natürlich eine andere ,,Kragenweite" als in Romanform geschriebene Bücher zu den ,,Brandenburgern" Selbst wenn sich die Autoren weitestgehend an Fakten gehalten haben. Stückweit faszinierend, was die Spezialeinheit wie angestellt hat, oft genug gegen Kriegsende Himmelfahrtkommandos, bei denen die Truppe dann verheizt wurde.
      MfG Wirbelwind
    • Hallo Ulf,

      leider hab ich keine Technik zum Einscannen. Vorschlag zur Güte, Du meldest Dich per PM mit Deiner Adresse. Schicke Dir Kopien der Seiten aus dem Buch, die sich mit ,,Schamyl", zu und Du kannst diese dann per Einscannen dem Thread zur Verfügung stellen. Ich weiß, dass ist umständlich aber anders wird kein Schuh draus. Übrigens gibt es im Forum der Wehrmacht einen etwas älteren Thread zum Unternehmen ,,Schamyl".

      MfG Wirbelwind
    • Neu

      Hallo zusammen,

      zu dieser Operation scheint es mittlerweile ein entsprechendes Nachschlagewerk zu geben:

      Brandenburger im Kaukasus
      Das OKW-Unternehmen "Schamil" 1942

      In diesem Buch werden die beiden kommentierten Berichte von 1943 den ebenfalls kommentierten Erinnerungen Langes gegenübergestellt. Damit kann sich der Leser selbst ein Bild machen von den vielen Unzulänglichkeiten, aber auch vom wahrscheinlichen Verrat, der dieses Kommando zu einem "Himmelfahrtskommando" werden ließen.

      Quelle: ebay.de/itm/Division-Brandenbu…11c7f4:g:POcAAOSwOTlZ3jCl

      Beste Grüße
      Robert